Das leidige Thema losreißen

Das leidige Thema losreißen

Warum reißen sich Esel los?

  • wenn der Fluchtinstinkt bei ihnen sehr stark wird (Erschrecken vor etwas, Angst)
  • Undiszipliniertheit
  • In der Beziehung zwischen Mensch und Esel gibt es Defizite

Erstmal: So etwas passiert nun einmal, ein Esel ist ein Tier was (wie der Mensch auch) bei allem Planen, Nachdenken, Üben etc nun mal ein Stück weit unberechenbar bleibt. Was solls, ist nicht weiter schlimm. Trotzdem ist es für den der führt eine Belastung wenn es denn einmal passiert, gerade weil die Angst nun mal vorhanden ist dass sich dabei der Esel verletzt, Passanten in Gefahr bringt oder auf eine Straße rennt.

Wichtig ist eine stabile Partnerschaft. Diese baut man sich über Jahre hinweg auf (man merkt wie stabil diese Partnerschaft ist in der täglichen Arbeit – kommt der Esel auf mich zu, läuft er mir hinterher, freut er sich wenn er mich sieht, etc – alles Anzeichen die gegen ein Losreißen sprechen).

Partnerschaft heißt aber auch dass man von einander abhängig ist. Wenn ich mit dem Esel allein durch den Wald gehe ist der Esel von mir abhängig dass ich ihn vor all den Gefahren die sich ihm stellen (aus Eselsicht) beschütze, ihn gesund und sicher wieder nach Hause bringe. Der Esel muss mir also vertrauen.

Umgedreht muss ich dem Esel aber auch vertrauen und das fällt dem Menschen sehr schwer und ist eben, wieder einmal, ein Lernprozess.

Ich muss den Mut aufbringen mich dem Esel hinzugeben, muss mich ein Stück weit fallen lassen können, muss mich ein Stück weit auch in seine Hände begeben. Nur dann verliere ich die Angst vorm Losreißen schrittweise. Ich muss im laufe der Zeit lernen dass eben diese Partnerschaft stabil ist, und das lerne ich eben nur in dem ich solche positiven Erfahrungen mache. Dazu gehört auch dass ich mich meiner Angst stellen muss. Und das ist so schwer!!! Angst verliere ich aber nur in dem ich mich ihr aussetze, die Erfahrung mache dass sie während eines Spazierganges schwankt und mit der Zeit auch weniger wird. Zur Arbeit mit den Eseln gehört nun mal auch dazu dass ich an mir arbeite.

Wichtig ist auch noch wo mein Fokus ist. Ist der Fokus ständig auf das Losreißen gerichtet erhöhe ich damit auch das Risiko dass etwas passiert. Diese Unsicherheit überträgt sich dann auf den Esel. Also Fokus auf das Hier und Jetzt richten, noch ist nichts passiert. Darauf fokussieren ein stabiler Partner für den Esel zu sein. Das alles ist sehr schwer, ich weiß – aber wer sagt dass Eseltraining leicht ist?

Und nur nicht zu viel nachdenken! Du musst lernen deinem Gefühl zu vertrauen, weniger rational sondern mehr emotional das Verhalten von deinem Esel zu interpretieren.

Außerdem: irgendwann brauchst du kein zusätzliches Eselwissen, keine Bücher mehr, irgendwann musst du das gelernte in die Praxis umsetzen und vor allem ganz viele eigene Erfahrungen sammeln. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Eigentlich bräuchte man irgendwann eher einen Psychologen anstatt einem Eseltrainer, nämlich jemanden der dir hilft mit deinen Gefühlen, deiner Unsicherheit und deinen Ängsten umzugehen.

Führen und geführt werden

Vielleicht hilft auch folgender Gedanke:

Ein Esel führt seine Gruppe an (ja, Esel haben kein Leittier in dem Sinne, erfahrungsgemäß übernimmt aber einer die Verantwortung für die Herde) in dem es vor den anderen läuft.

Der Mensch läuft also, wenn auch nur wenige Zentimeter, vor dem Esel (nicht ganz davor!)

Führt der Esel den Menschen läuft der Esel ein paar Zentimeter oder mehr vor dem Menschen.

Damit führt der Esel die 2er Gruppe an und übernimmt für alles die Verantwortung.

Diese Verantwortung kann dem Esel aber auch zu viel werden.

Der Esel muss mit all dem ganzen Menschenkram (Autos, Fahrräder, Menschen mit Hunden, usw usf) zurechtkommen und die Verantwortung auch für den Menschen übernehmen. Das kann der Esel nicht. Also will er denjenigen, für den er Verantwortung übernehmen soll, aus seinem Verantwortungsfeld heraushaben. Er reißt sich los.